Weiterfahren oder Umkehren. Venedig oder Basis-Marina.

Veröffentlicht am 9. Oktober 2024 um 20:53

Was für eine Nacht liegt hinter uns. Das Wasser stieg und stieg und der Anleger wurde überflutet. Stündlich prüften wir die Lage des Bootes. Um 3:30 Uhr gab es eine größere Lagebesprechung mit dem Fazit, dass wir eh nichts ändern können. Die 2 Pfähle werden uns schon halten. 

Schlaf gibt’s wenig und so sitzt die Familie gegen 7:30 Uhr am Frühstückstisch. Ich mache uns einen Kaffee und die Brötchen werden im Backofen erwärmt. Auch den kann ich mittlerweile bedienen :-). 

Es folgt eine große Überzeugungsarbeit. Meine Familie möchte eigentlich zurück zur Basis. Der Fluss ist so voll vor Wasser und morgen soll es wieder regnen. Und trotzdem konnte ich meine zwei Kapitäne überreden weiter in Richtung Venedig zu fahren. Kurz nach 9 Uhr machen wir uns startklar. Kira macht vorn die Leinen los, ich hinten. Und Mario wendet wie ein Profi den Kahn im Fluss. Weiter geht's. Die Zeit vergeht. Kira darf nun unter Aufsicht auch ans Steuer.

Es ist ruhig auf dem Fluss. Kein weiteres Boot ist zu sehen. Es kommen Zweifel auf, ob die Schleuse für die Laguneneinfahrt überhaupt geöffnet ist. Ich telefoniere und hoffe, dass zumindest englisch gesprochen wird. Wir haben Glück. Alles geöffnet. Wir sind nur die Bummelletzten in der Woche, daher ist nix los. Alle anderen Boote sind längst weg. Gut für uns, denn so haben wir später die Schleuse von Portegrandi für uns allein. Die Anfahrt passt. Ein wenig ecken wir kurz an, aber das Boot hat Gummis an den wichtigsten Stellen. Schon stehen wir in der Schleuse und es geht runter. Dabei gibt uns der Schleusenwärter noch ein paar Tipps zum fahren. Er hatte heute wohl Langeweile.

Nun sind wir auf direkten Weg zur Lagune. Viele Vögel sind zu sehen. Sogar Flamingos erspähen wir. Mit 7, später 5, Stundenkilometern fahren wir gemächlich entlang der Briccolas (Holzpfähle). Weiterhin ist kein anderes Hausboot sichtbar. 

Und dann kommt die Anfahrt auf Burano. Der Verkehr nimmt zu. Taxis und Vaporettos überholen uns, da sie schneller fahren dürfen. Sie erzeugen Wellen, von denen wir nun ständig getroffen werden. Es schaukelt ganz schön. Wir passieren Torcello, rechts liegend ein Flusskreuzfahrtschiff und biegen nun rechts in Richtung Mazzorbo ein. Vorbei an fahrenden Ausflugsschiffen auf der linken Seite und den bunten Häusern auf der rechten geht’s zum Anlieger. Das Manöver klappt gut, bis wir feststellen, dass es der falsche Liegeplatz ist. Also werden die Leinen wieder gelöst. Ablegen, umdrehen, anderen Platz ein wenig weiter vorn ansteuern. Auch das funktioniert. Werfen ist jedoch nicht die Stärke von uns beiden Mädels. Es dauert etwas bis die Leinen liegen. In der Ruhe liegt die Kraft. Es ist geschafft. Kira prüft endlos oft, ob alles fest ist, denn das Boot schaukelt durch vorbeifahrende Taxis hin und her. Wir müssen jedoch den Leinen Spielraum für die Gezeiten lassen, somit geht’s nicht anders. Kira schaut sich nochmal bei den anderen Booten um. Auch bei denen siehts nicht anders aus. 

Es ist bereits nach 14 Uhr und der Hunger ist da. Wir machen uns über die Brücke auf nach Burano. Bunte Häuser und ganz viele Touristen mit Handys in der Hand. Wir sind hier an einem Mittwoch in der Nebensaison und wollen gar nicht wissen, wie es im Sommer ist. Wir schieben uns durch die Gassen und lassen uns in einem Restaurant nieder. Aperol für Mama und Cappuccino für Papa. Dazu eine leckere Pizza. Danach noch eine Kugel Eis (4 Euro) fürs Kind. 

Wir schlendern zurück zum Boot und spielen an Deck Kniffel. Die Konzentration fällt schwer, denn es ist so viel los um uns herum. Spannend und endlich mal etwas entspannend nach der ganzen Aufregung.

 

17:15 Uhr machen wir uns auf zum Essen. Die Restaurants schließen wohl alle recht früh. Wir finden ein schönes, was auch noch geöffnet hat. Ich esse die wohl leckersten Spaghettis meines Lebens. Selbstgemacht mit richtiger Carbonara, also nur mit Speck und Ei. Dazu einen Aperol und danach ein Tiramisu. 
Wir sind kurz vor 19 Uhr die letzten Gäste. Burano ist nun leer. Nur noch Einheimische und vereinzelt Touristen sind zu sehen. Zurück an Bord spielen wir oben an Deck zusammen mit vielen Mücken eine letzte Runde Kniffel. Im Hintergrund ist im Sonnenuntergang die Skyline von Venedig zu sehen. Die Müdigkeit treibt uns nach unten in die Kojen. Gute Nacht.
 

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