Zirbitzkogel und Gipfelkreuz

Veröffentlicht am 6. Oktober 2024 um 21:10

Schon lange lag ich meiner Familie in den Ohren, dass ich gern hoch auf den Zirbitzkogel möchte. Andreas Gabalier schwärmt immer so von seinem Hausberg und der familienfreundlichen Wanderung. Von der Tonnerhütte aus sind es 800 Höhenmeter und 5,5 km Strecke. Aber was macht den Berg so besonders? Tja, es ist kein Berg mit einem tristen Weg, sondern man geht auf der Wiese entlang zahlreicher Markierungssteine, über Stock und Stein und kleiner Wasserläufe stetig bergauf.  Somit ist die Wanderung auf diesem Grasberg extrem abwechslungsreich. Außerdem gibt es keine Bergbahn hoch auf den Gipfel. Spielplätze oder andere Attraktionen gibt es ebenfalls nicht. Man muss sich die Aussicht somit selbst erarbeiten. Oben bietet sich dafür dann am Gipfelkreuz ein 360 Grad Blick über die Seetaler Alpen. Massentourismus scheint es hier nicht zu geben. Und genau deshalb ist es so schön hier. 

Da die letzten Tage doch sehr regnerisch im Tal und mit Neuschnee oben auf den Bergen waren, konnten wir während unseres Aufenthalts im Almdorf Tonnerhütte nicht bis hoch aufsteigen. So verlängerten wir um einen Tag. Gestern unternahmen wir mit dem Panoramaweg einen kleinen Testlauf. Bereits unterhalb von 1800 m lag Schnee. Wir wollen bis hoch auf 2.394 m. Oje. Mario entschied direkt, dass er nicht mit nach oben möchte. Kira hingegen fand es spannend. Und so zogen wir zwei heute kurz vor 10 Uhr los. Erst entlang der kleinen Skipiste (kleiner Schlepplift für Skifahrer und Rodler im Winter) bis zur ersten Aussichtsplattform. Spätestens ab da orientiert man sich an den rot weiß roten Markierungssteinen. Gute Idee, wenn der Schnee nicht wäre. Es begann die Suche nach den Steinen, die uns übrigens den ganzen Tag begleitete. Der Schnee wurde immer tiefer. Wir sanken oftmals bis zum Knie ein. Einmal landete ich direkt in einem kleinen Bächlein. Die Schuhe waren da aber noch recht trocken. Meter um Meter stiefelten wir durch den Schnee. Dabei folgten wir genau einem Fußabdruck. Wir begegnen 2 h wirklich niemanden. Wir sehen in der Ferne ein paar Tiere, wenn nicht gerade wieder der Nebel die Sicht versperrte. Den Gipfel sehen wir weiterhin nicht. Bei 2.250 m hohen Murtalblick kommt ein kräftiger Wind auf. Wir ziehen alles an, was der Rucksack hergibt. Es ist eisig. Und der Weg wird immer alpiner. Zum Glück liefen wir die letzten 150 Höhenmeter im Nebel. So konnte ich den Abhang mit meiner Höhenangst nicht sehen. Oben am Gipfelkreuz angekommen, werden ein paar Fotos im Nebel geschossen. Mir frieren aber wirklich die Finger ein, so dass wir erstmal zum Schutzhaus gehen und unseren mitgebrachten Tee trinken. Doch plötzlich „öffnet“ sich der Vorhang: die Sonne lacht und es gibt blauen Himmel. Endlich kann man etwas sehen. So gehen wir nochmals hoch zum Kreuz. Der Ausblick ist traumhaft. Gern hätte ich hier ein paar Minuten länger verweilt, aber der eiskalte Wind ließ das nicht zu. Und so machten wir uns auf den Rückweg. Andere Route. Weiterhin blauer Himmel und Sonnenschein. So knipsen wir ein paar schöne Fotos. In der nächsten Minute ist der Nebel wieder da und alles ist zugezogen. Die Orientierung fällt nun schwer. Der angezeichnete Weg zurück zur Tonnerhütte ist tief verschneit. Schilder sind zugeweht. Der Weg über das Scharfe Eck scheint mit diesem Wetter auch keine gute Wahl. Zurück auf den Gipfel wollen wir auch nicht. Also entscheiden wir uns für den verschneiten Weg. Wir versinken zunehmend bis übers Knie im Schnee. Dieser Abstieg ist steil. Unsere Schuhe sind mittlerweile voller Wasser, was von oben durch den Schnee hineinkam. Menschen sind weit und breit nicht zu sehen. Augen zu und durch. Ich weiß nicht, wie oft ich mit dem Popo im Schnee saß, bis sich der Weg halbwegs normalisierte. Auf dieser Seite vom Berg ist es deutlich nässer. Wir laufen nun durch Schlamm, Wasser, Kuhfladen… . Unsere Schuhe sehen super aus. Aber uns geht’s gut und irgendwann werden wir unten ankommen. Der Weg zieht sich und immer wieder versinken wir im Schnee, der weiter unten schon ganz matschig war. Dank unserer Stöcke können wir uns gut ausbalancieren. Ohne hätten wir das heute nicht geschafft.

Erst kurz vor 16:30 Uhr erreichen wir unser Appartment in der Tonnerhütte. Aus unseren Schuhen läuft beim Ausziehen das Wasser und die Socken können wir ausringen. Glücklicherweise gibt es einen Trockenraum mit Heizung für die Schuhe.

Es war eine lange, aber wirklich aufregende und wunderschöne Wanderung. Mit Schnee ist es wirklich kein Spaziergang, aber im Sommer kann man das wirklich gut mit der ganzen Familie machen. Ohne Nebel ist der Ausblick von ganz oben fantastisch. Also müssen wir im Sommer wiederkommen :-). 

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